Fiesta de San Fermín
7. Juli 2008
Kurz bevor ich nach Pamplona zur Fiesta de San Fermín aufbreche, gibt mir mein Vermieter noch einen Rat mit auf den Weg. Ich soll auf mich aufpassen, jedes Jahr werden einige Touristen überfallen und kehren mit Stichwunden aber ohne Wertgegenstände wieder zurück. Ein ermutigender Rat von einem Kerl, der während er mir das erzählt, ein leeres Baguette und eine Flasche Wein zum Frühstück verdrückt.
Im Bus sind diese Sorgen längst wieder vergessen. Partystimmung ist angesagt. Rechtzeitig zum Chupinazo, dem offiziellen Startschuss der Fiesta, kommt der Bus in Pamplona an. Nach dem Abschuss der Startrakete beginnt die ausgelassene Menge sich gegenseitig mit Ketchup, Sangria, Bier und Senf zu bespritzen und sich mit Mehl zu überschütten.
Anschließend ziehen die verdreckten Gestalten durch die Gassen und fordern die Bewohner in Sprechchören dazu auf, Wasser vom Balkon zu schütten um sich wieder sauber zu bekommen.
Auf den Straßen herrscht Volksfeststimmung. Mit einer schier unglaublichen Geschwindigkeit beginnen sich alle zu betrinken. Innerhalb einer halben Stunde sieht die Stadt wie ein Schlachtfeld aus, Glasscherben überall auf dem Boden, die Korken der Sektflaschen fliegen einem permanent um die Ohren. Ich habe alle Mühe meine Kamera trocken zu halten. Wahllos schütten sich Leute gegenseitig Bier und Sekt über den Kopf und kübelweise kommt das Wasser von oben. Marihuana-Geruch liegt in der Luft und auf den Stufen einer Kirche ziehen sich ein paar Jugendliche ungestört ihre Lines in die Nase. Der erste encierro, das legendäre Stierrennen, beginnt in 17 Stunden und ich bezweifle ernsthaft, dass auch nur die Hälfte der Leute bis dahin durchhalten wird. Erschwerend kommt hinzu, dass es in der ganzen Stadt nichts Warmes zum Essen zu geben scheint. Nur gefüllte Baguettes in allen Variationen werden angeboten. Keine optimale Grundlage für ein solches Trinkgelage.
Zwei Stunden später fordert der Alkohol seine ersten Opfer. An jeder Ecke kotzen Betrunkene wieder aus, was sie die letzten Stunden in atemberaubender Geschwindigkeit vernichtet haben. Freundinnen werden gestützt, weil sie selbst nicht mehr zum Gehen in der Lage sind. Eine weitere Stunde später merkt man, wie sich die Menge langsam beruhigt, die Anfangseuphorie ebbt ab und die Party geht in ein gemächlicheres Tempo über. Gemächlich ist relativ. Die Party in den engen Gassen von Pamplona erinnert mich an die ausgelassene Stimmung in Lissabons Barrio Alto nach dem EM-Halbfinale, als Portugal gegen Holland gewann. Damals war die ganze Stadt auf den Beinen und feierte ihre Helden. In Pamplona feiern die Besucher sich selbst, an der Stimmung ändert das aber nichts.
Gegen Einbruch der Dunkelheit begebe ich mich in die Bar Iruña, Hemingways Lieblings-Bar in Pamplona, in der ich den Rest der Zeit bis zum encierro verbringen werde. Die Bar ist groß und bestimmt sehr schön außerhalb der Fiesta. Während der Fiesta ist sie leergeräumt und wie alle Lokale in der Altstadt eine Non-Stop-Disco, die erst wieder in acht Tagen schließt. Bis dahin ist Pamplona, egal ob Tag oder Nacht, eine einzige große Party.
¡Vaya mierda!
Spatzierer, des Festl hätt i mir gern mit dir gegeben! Cato's Disco bis zum Morgen.
Ein kleiner Tip fürs näxte Mal: warmes Essen gibts (anscheinend nur) beim Chinesen.
elguhsl
Kommentar von elguhsl abgegeben am 14. Juli 2008
Kommentar abgeben


